Bestes Juniorenteam der Welt - Deutschland wird 2013 U23-Weltmeister / 05. - 15.09.2013

Für ein deutsches Herren-Team war es der größte Erfolg in der Rollstuhlbasketball-Geschichte. Die deutsche U23-Auswahl unter Bundestrainer Peter Richarz sah sieben Minuten vor Ende des Finalspiels wie der sichere Verlierer aus. Doch dann kam Thomas Böhme mit einer Energieleistung und 14 Punkten - am Ende jubelte Deutschlands "goldenes" Nachwuchsteam.

Dabei wäre im türkischen Ankara bereits der Start schon beinahe misslungen: Kurz vor Schluss der Auftaktpartie gegen den Iran lag Deutschland mit 73:79 zurück, ehe Thomas Böhme das Team Germany in die Verlängerung rettete und damit den Grundstein für das 91:89 sicherte.  

Doch dann marschierte das Team von Peter Richarz souverän durch das Turnier. Gegen Südafrika (78:50), Kanada (68:45) und Großbritannien (76:62) gaben sich die U23-Junioren keine Blöße. Ein glanzloses 63:57 genügte dann zum ungeschlagenen Gruppensieg. In der Überkreuzphase waren schließlich auch Viertelfinalgegner Italien (64:38) und Halbfinalist Großbritannien (57:44) kein Maßstab für das immer stärker werdende deutsche Team.

Im Finale wurde es dann aber richtig dramatisch. In den ersten drei Abschnitten schenkten sich die Kontrahenten nicht, über 14:18, 34:34 und 43:46 ging es mit einem kleinen Vorteil für die Skandinavier in die Schlussphase. Doch dann zogen die schwedischen Junioren um Topscorer Joakim Lindblom auf 45:54 (33.) davon und war bereits auf dem Weg zum Weltmeistertitel, ehe in der deutschen Auswahl Thomas Böhme förmlich explodierte. Der 22-jährige vom RSV Lahn-Dill erzielte in den letzten sechs Spielminuten 14 Punkte und sorgte so dafür, dass Deutschland wieder herankam. Der Zwickauer Kai Möller besorgte 2:48 Minute vor der Schlusssirene beim 59:58 die erste deutsche Führung seit langer Zeit. Persson konnte zwar per Dreier noch einmal verkürzen, doch am Ende konnte die Mannschaft von Bundestrainer Peter Richarz jubeln.

Mannschaftskapitän Christopher Huber erinnert sich:

"Was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist unsere mannschaftliche Geschlossenheit, wir waren wirklich eine Einheit. Die musste sich gleich zum Turnierbeginn in einem echten Härtetest bewähren: Gegen den Iran konnten wir uns erst in der Verlängerung durchsetzen, und auch das denkbar knapp mit 91:89. 

Von da an hat uns unsere Motivation getragen,  wir sind von Spiel zu Spiel  geworden und hatten dabei immer Spaß - und ich meine wirklich IMMER... auch bei der Videoanalyse, im Training, im Spiel.

Vor dem Viertelfinale sah es zunächst gar nicht gut aus: Einige von uns bekamen Magen-Darm-Probleme. Mit dem Ziel vor Augen wird man dann etwas merkwürdig und denkt nur noch an Hygiene und daran, bloß nicht krank zu werden. Man benutzt nur noch Mineralwasser aus der Flasche, selbst zum Zähneputzen. Ich glaube, wir haben so viel desinfiziert wie noch nie zuvor. 

Auf dem Platz rollte es dann so richtig: Nach dem souveränen Einzug ins Halbfinale gegen Italien haben wir dann im Halbfinale erneut England geschlagen (glaube ich :D). Und dann standen wir im Finale! Davor war jeder absolut fokussiert, aber wenn ich mich heute versuche zu erinnern, habe ich vom Endspiel fast nichts mehr im Kopf. Irgendwie lief es nicht so richtig rund, sechs Minuten vor Ende lagen wir noch mit neun Punkten zurück. Aber ich zumindest hatte irgendwie nie ein schlechtes Gefühl, und am Ende war es dann die pure Freude... auf unserer Seite!"

Das deutsche Team:

Thomas Böhme (RSV Lahn-Dill), Kai Möller (RSC-Rollis Zwickau), Jens-Eike Albrecht (RSB Team Thüringen), Jan Sadler (Hannover United), Leon Ole Schöneberg (SGK Heidelberg), Nico Dreimüller (SGK Heidelberg), Christopher Huber (RSV Lahn-Dill), Tim Lange (RSC-Rollis Zwickau), Philip Schorp (SGK Heidelberg), Lukas Jung (Rhine River Rhinos Wiesbaden), Dominik Zielke (Köln 99ers). 

Bundestrainer: Peter Richarz

Vorrunde:
Deutschland -Iran 91:89 n.V.
Deutschland - Südafrika 78:50
Deutschland - Kanada 68:45
Deutschland - Großbritannien 76:62
Deutschland - Mexiko 63:59
Viertelfinale: Deutschland    Italien    64:38
Halbfinale: Deutschland    Großbritannien    57:44
Finale: Deutschland    Schweden    69:65

All Star team 

Vincent Dallaire (Kanada / 1,0), Jens Eike Albrecht (Deutschland / 2,5), Joakim Lindblom (Schweden / 3,0), Morteza Ebrahimi (Iran / 4,5), Harrison Brown (Großbritannien / 2,5)

Deutschland: Thomas Böhme (RSV Lahn-Dill), Kai Möller (RSC-Rollis Zwickau), Jens-Eike Albrecht (RSB Team Thüringen), Jan Sadler (Hannover United), Leon Ole Schöneberg (SGK Heidelberg), Nico Dreimüller (SGK Heidelberg), Christopher Huber (RSV Lahn-Dill), Tim Lange (RSC-Rollis Zwickau), Philip Schorp (SGK Heidelberg), Lukas Jung (Rhine River Rhinos Wiesbaden), Dominik Zielke (Köln 99ers).

   
U23-Weltmeisterschaften – Vorrunde Gruppe A
Spiel 1    Kanada    Südafrika    62:31
Spiel 2    Großbritannien    Mexiko    67:42
Spiel 4    Deutschland    Iran    91:89
Spiel 8    Deutschland    Südafrika    78:50
Spiel 10    Iran    Mexiko    70:46
Spiel 11    Großbritannien    Kanada    57:50
Spiel 13    Mexiko    Südafrika    48:31
Spiel 14    Deutschland    Kanada    68:45
Spiel 17    Iran    Großbritannien    60:53
Spiel 21    Kanada    Mexiko    61:58
Spiel 22    Iran    Südafrika    62:41
Spiel 24    Deutschland    Großbritannien    76:62
Spiel 27    Iran    Kanada    83:48
Spiel 28    Großbritannien    Südafrika    65:35
Spiel 29    Deutschland    Mexiko    63:59

U23-Weltmeisterschaften:    Viertelfinale
Deutschland    Italien    64:38

U23-Weltmeisterschaften:    Halbfinale
Deutschland    Großbritannien    57:44

U23-Weltmeisterschaften:    Finale
Deutschland    Schweden    69:65

    All Star team
#5     CAN     1.0     Vincent Dallaire
#4     GER     2.5     Jens Albrecht
#8     SWE     3.0     Joakim Lindblom
#12     IRI     4.5     Moreteza Ebrahimi
#9     GBR    2.5     Harrison Brown